Bewertungs­methoden

DCF-Methode: zukünftige Cashflows auf den heutigen Zeitpunkt beziehen

Die DCF-Methode ist ein Oberbegriff für verschiedene Ansätze der Unternehmens­bewertung. Gemeinsam ist ihnen, dass zukünftige finanzielle Überschüsse auf einen Gegenwartswert abgezinst werden.

Kontakt aufnehmenAblauf ansehen

Was die DCF-Methode ist

DCF steht für Discounted Cash Flow. Es handelt sich nicht um ein einziges Verfahren, sondern um eine Familie von Ansätzen, mit denen zukünftige Cashflows auf den Bewertungs­stichtag abgezinst werden. In der Praxis sind insbesondere der Adjusted-Present-Value-Ansatz (APV), der Weighted-Average-Cost-of-Capital-Ansatz (WACC) und der Equity-Ansatz von Bedeutung.

Theoretische Grundlagen

Die DCF-Ansätze stehen im Wesentlichen in Zusammenhang mit dem Gleichgewichtsmodell von Modigliani und Miller sowie dem Capital-Asset-Pricing-Modell (CAPM). Diese Modelle liefern eine Grundlage für die Abzinsungslogik, beruhen aber auf restriktiven Annahmen, die in der realen Welt nur begrenzt erfüllt sind.

Die wichtigsten Ausprägungen

APV-Ansatz: Trennung in Grundbarwert, Fremdkapital und Steuerschild.

WACC-Ansatz: Abzinsung des eigenkapitalfinanzierten Cashflows mit durchschnittlichen Kapitalkosten.

Equity-Ansatz: Direkte Abzinsung des Eigentümer-Cashflows mit Eigenkapital­kosten.

Alle Ansätze können theoretisch ineinander überführbar sein, wenn die Modellannahmen konsistent sind.

Warum DCF stark annahmeabhängig ist

Kleine Änderungen bei Cashflows, Wachstumsraten, Verschuldung oder Diskontierungs­zins können den Unternehmens­wert erheblich verändern. Besonders der Fortführungswert am Planungshorizont hat häufig einen hohen Einfluss auf das Gesamtergebnis.

Mögliche Missverständnisse

„DCF liefert automatisch den objektiv richtigen Unternehmens­wert.“

Nein. DCF liefert einen modellabhängigen Wert unter den gewählten Annahmen. Das Ergebnis ist nur so belastbar wie die Qualität dieser Annahmen.

„Der Diskontierungs­zins ist nur eine technische Detailgröße.“

Falsch. Der Diskontierungs­zins ist ein zentraler Werttreiber. Seine Herleitung beeinflusst das Bewertungsergebnis erheblich.

„DCF und Entscheidungs­wert sind dasselbe.“

Nicht zwingend. DCF-Verfahren beruhen typischerweise auf kapitalmarkttheoretischen Modellen. Der so ermittelte Wert stimmt daher nicht automatisch mit dem Entscheidungs­wert eines konkreten Bewertungs­subjekts überein.

Wissenschaftliche Einordnung in der Praxis

Die DCF-Methode ist als strukturierte Cashflow-Bewertung nützlich und verbreitet. Aus Sicht der funktionalen Bewertungs­lehre ist jedoch kritisch zu prüfen, ob der so bestimmte Wert tatsächlich der individuelle Entscheidungs­wert des konkreten Bewertungs­subjekts ist oder eher eine kapitalmarkttheoretische Vergleichs- und Argumentationsgröße darstellt.

Mögliche Fragen zur DCF-Methode

Was bedeutet APV, WACC und Equity-Ansatz?

APV trennt den Unternehmens­wert in Grundbarwert, Fremdkapitalwert und Steuerschild. WACC diskontiert mit durchschnittlichen Kapitalkosten. Der Equity-Ansatz diskontiert direkt die Eigentümer-Zahlungsströme.

Ist DCF besser als das Ertragswert­verfahren?

Nicht pauschal. Beide Ansätze haben Überschneidungen, beruhen aber auf unterschiedlichen theoretischen Herleitungen und können je nach Anlass unterschiedlich geeignet sein.

Warum ist der Terminal Value so wichtig?

Weil häufig ein großer Teil des Gesamtwerts auf die Fortführungs­phase entfällt. Unscharfe Annahmen an dieser Stelle verzerren das Gesamtergebnis erheblich.

Sie möchten eine DCF-Bewertung oder Überprüfung fachlich einordnen?

Ich unterstütze Sie bei der transparenten Herleitung von Cashflows, Diskontierungslogik und Annahmen sowie bei der fachlichen Prüfung bestehender Modelle.

Kontakt aufnehmen