Bewertungs­methoden

Kapitalisierungs­faktor (Rentenbarwert­faktor) berechnen

Hier finden Sie Formeln, Beispiele und einen Rechner für den Kapitalisierungs­faktor. Sie können den Faktor für einen begrenzten Zeithorizont oder für eine ewige Rente direkt berechnen und die zugrunde liegenden Formeln und Beispiele darunter einordnen.

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Zur Veranschaulichung wird zusätzlich ein Wert berechnet, indem der Faktor mit dem periodischen Ertrag multipliziert wird.

Was ist der Kapitalisierungs­faktor?

Der Kapitalisierungs­faktor ist ein Barwertfaktor. Er zeigt, mit welchem Faktor ein zukünftiger periodischer Zahlungsstrom multipliziert wird, um einen heutigen Wert zu erhalten. In der Praxis wird er häufig auch Rentenbarwert­faktor genannt.

Der Kapitalisierungs­faktor ist ein mathematischer Bestandteil der Bewertung. Er ist jedoch nur so belastbar wie die Annahmen, die ihm zugrunde liegen. Deshalb muss immer geprüft werden, ob Zinssatz, Risiko, Wachstum, Laufzeit und Zahlungsstrom wirtschaftlich und methodisch zum Bewertungs­anlass passen. In professionellen Bewertungen wird er nicht isoliert verwendet, sondern in ein vollständiges Bewertungs­modell eingebettet.

Für endliche und unendliche Laufzeiten gelten unterschiedliche Formeln. Entscheidend ist nicht nur die Formel selbst, sondern auch die sachgerechte Herleitung der Eingangsgrößen.

Abzinsungsfaktor

Bevor der Kapitalisierungs­faktor dargestellt wird, hilft ein kurzer Blick auf das Prinzip von Aufzinsung und Abzinsung.

Werden heute in t = 0 beispielsweise 100 Geldeinheiten für zwei Jahre zu einem Zinssatz von 10 % angelegt, ergeben sich in zwei Jahren 121 Geldeinheiten. Das ist eine Aufzinsung.

Wird ein zukünftiger Geldbetrag umgekehrt auf den heutigen Zeitpunkt abgezinst, erhält man seinen Barwert. Der Abzinsungsfaktor für zwei Jahre bei 10 % beträgt ausmultipliziert rund 0,8264.

Abzinsungsfaktor

1,1^-1 × 1,1^-1 ≈ 0,8264

Der Kapitalisierungs­faktor baut auf diesem Grundgedanken auf, bezieht sich aber auf wiederkehrende Zahlungsströme statt auf einen einzelnen Betrag.

Kapitalisierungs­faktor mit begrenztem Zeithorizont

Formel

Für einen begrenzten Zeithorizont hängt der Kapitalisierungs­faktor von vier Eingangsgrößen ab: Laufzeit n, Wachstumsrate g, Zinssatz i und einem möglichen Risikoaufschlag r.

K = (1 - (1 + g)^n * (1 + i + r)^(-n)) / (i + r - g)

Dabei steht n für die Anzahl der Jahre, g für die Wachstumsrate des Zahlungsstroms, i für den Zinssatz und r für einen möglichen Risikoaufschlag.

Beispiel

Ein Unternehmen ermöglicht einen jährlichen Geldfluss von 100 GE über 30 Jahre. Dieser Geldfluss wächst jährlich um 2 %. Der Zinssatz beträgt 10 %, der Risikoaufschlag 0 %. Setzt man diese Werte in die Formel ein, ergibt sich ein Kapitalisierungs­faktor von rund 11,2. Multipliziert mit dem Geldfluss von 100 GE ergibt sich ein Wert von rund 1.120 GE.

Kapitalisierungs­faktor einer ewigen Rente

Formel

Bei unbegrenztem Zeithorizont vereinfacht sich die Formel. Der Kapitalisierungs­faktor einer ewigen Rente ergibt sich aus dem Kehrwert der Differenz zwischen Zinssatz zuzüglich Risikoaufschlag und Wachstumsrate.

K = 1 / (i + r - g)

Beispiel

Es gelten dieselben Daten wie im obigen Beispiel, jedoch mit unendlicher Laufzeit. Der periodische Geldfluss beträgt 100 GE, wächst jährlich um 2 %, der Zinssatz beträgt 10 % und der Risikoaufschlag 0 %. Daraus ergibt sich ein Kapitalisierungs­faktor von 12,5. Multipliziert mit 100 GE ergibt sich ein Wert von 1.250 GE.

Typische Fehler bei der Anwendung

  • Brutto- und Nettogrößen werden vermischt, obwohl sie unterschiedlichen wirtschaftlichen Bedeutungen folgen.
  • Wachstum, Risiko oder Laufzeit werden pauschal angesetzt, ohne Bezug zum konkreten Bewertungs­anlass.
  • Der Faktor wird als „objektiv richtig“ interpretiert, obwohl er stark annahmeabhängig ist.

Mögliche Fragen zum Kapitalisierungs­faktor

Ist der Kapitalisierungs­faktor dasselbe wie der Rentenbarwert­faktor?

In der Bewertungspraxis werden die Begriffe häufig synonym verwendet. Gemeint ist jeweils ein Barwertfaktor zur Verdichtung periodischer Zahlungen.

Wie hängt der Kapitalisierungs­faktor mit dem Ertragswert­verfahren zusammen?

Der Kapitalisierungs­faktor ist ein Rechenbaustein des Ertragswert­verfahrens. Er verbindet den nachhaltigen Zahlungsstrom mit dem heutigen Wert unter den gewählten Annahmen.

Kann ich den Unternehmens­wert oder Immobilienwert allein aus dem Faktor ableiten?

Nein. Ohne saubere Herleitung von Zahlungs­strömen, Zinssätzen, Wachstum und Bewertungs­zweck ist das Ergebnis nicht belastbar.

Sie möchten die Annahmen Ihres Falls professionell einordnen?

Ich unterstütze Sie bei der nachvollziehbaren Herleitung von Zinssätzen, Wachstums­annahmen und Zahlungs­strömen – damit der Kapitalisierungs­faktor im richtigen Kontext angewendet wird.

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